Wenn man anfängt, von seinem Besuch im Museum zu reden, dann stellen sich die meisten Leute vermutlich eine Endlosschleife aus griechischen Statuen ohne Gliedmaßen, sündhaft teuren Kritzeleien lange verstorbener Künstler und aus Relikten längst vergangener Tage vor. Für mich als Bestandteil einer Kunstszene, die sich deutlich moderneren Mitteln bedient, würde so etwas allerdings wenig direkten Arbeitsstoff bieten, zumal das Fotografieren dort meist nur äußerst eingeschränkt gestattet ist. Ganz anders verhält es sich beim „Super Candy PopUp“. Gehört hatte ich von dieser Attraktion zuvor noch nichts, was vermutlich weniger am Marketingversagen der Betreiber, als an der bloßen Tatsache lag, dass es erst am 26. September 2018 eröffnet wurde. Als Johanne, eine Freundin & Model, mit der ich schon einige sehr erfolgreiche Shootings hatte, mir dann davon erzählte, war Eile geboten, zumal die ganze Idee des Museums als PopUp ausgelegt ist und es somit bereits Anfang 2019 wieder von der Bildfläche verschwindet. Umso mehr wurde mein Interesse geweckt, mir diese einzigartige Location genauer anzusehen.

PINK, etwas kitschig und vor allem mit ganz viel TamTam

Die komplett in hellrosa angestrichene stillgelegte Druckerei in Köln Ehrenfeld sorgt natürlich im ersten Moment vor allem für Eines: Aufsehen.
Wer der Farbe „pink“ nicht offen gegenübersteht, der ist hier mit hoher Wahrscheinlichkeit an der falschen Adresse angelangt. Und auch demjenigen, der damals in Sexualkunde in der hintersten Bankreihe Platz nehmen durfte, wird aufgefallen sein, dass als Zielgruppe eindeutig die weiblichen Besucher im Mittelpunkt stehen. Im Idealfall: die weiblichen Besucher mit einem sorgfältig gepflegten Instagram-Account. Denn genau in diese Richtung schießt die Idee des Betreibers. Das ganze Museum soll verschiedene belichtete Locations bieten, mit deren Hilfe man einzigartige Fotos & Videos von sich und seinen Freunden produzieren kann.

Mehr als nur Content für Likes & Follower

Als professioneller Fotograf erwartet man natürlich mehr als nur eine Kulisse, mit der man seine Social-Media Präsenz ein wenig aufhübschen kann. Als ich mich am 24. November gemeinsam mit Johanne, Amira; sie war mit ihrer begeisterten Antwort nach unschlagbaren 60 Sekunden mit Abstand das erste interessierte Model unter meinen Kontakten; und dem Fotografen Maurice auf den Weg machte, waren wir dementsprechend guter Dinge, dass wir für den immerhin stolzen Preis von knapp 30€ für ca. 2 Stunden Fotoaction auch Einiges geboten bekommen. Mehrere bekannte Instagrammer & Influencer hatten sich im Vorfeld bereits äußerst positiv zum „Palast der Farben“ geäußert. Und um Eines direkt vorweg zu nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht!

Perfekte Lichteinfälle, verschiedenste volle Farben, mit deren Effekt man während den Aufnahmen und auch in der Nachbearbeitung nach Belieben spielen konnte, und interessante Locations, die man ansonsten mit Sicherheit nicht alle Tage zu Gesicht bekommt, ausgestattet mit Spots, um aus allen vorstellbaren Winkeln und Perspektiven zu knipsen. Wolken aus Zuckerwatte, ein Lakritz-Bällebad mit 100.000 Bällen, Flamingos, Ballons und eine Menge Konfetti. Schon beim Betreten wird klar, dass das hier mehr von „Charlie & die Schokoladenfabrik“ oder der „Gummibärenbande“ hat, als von „Mona Lisa“ und „Pharaonensarg“. Ein etwas kindlicher Touch, doch alles sehr professionell gestaltet. Ich wusste: hier kann ich mich austoben!

Der Mensch als eigentliches Kunstwerk

Ein Museum sollte in der Regel gespickt sein mit einer Sammlung aus wertvollen Kunstwerken. In Köln Ehrenfeld geht man die Sache allerdings etwas anders an. Der Mensch soll hier als Kunstwerk im Mittelpunkt stehen und all die beeindruckenden interaktiven Locations dienen lediglich als Rahmen dieses Kunstwerkes. Ob bei einer Schlacht der beiden Models im Bällebad, beim Posieren vor einer Wand versehen mit unzähligen interessanten Fotos, oder beim Schaukeln und Lachen über die Statue eines nackten Mannes, als wäre man wieder 13; ich war einfach nur beeindruckt, wie viel Spontanität in dem Fotomaterial lag. Zwar war man hergekommen, um gute Fotos zu schießen, doch gerade diese Momente, in denen eine Pose nicht funktioniert oder man einfach in einer peinlichen Situation mitten in Aktion abgelichtet wird, stellen sich am Ende als das beste Material heraus. So konnte ich beim Durchschauen meiner Bilder & Videos den ganzen Zeitraum nochmals erleben; und genauso sollte es sein. Die Mädels hatten so viel Spaß, dass wir uns sogar noch länger als erlaubt durch die Locations gearbeitet haben. Aus der „14:30 Uhr-Gruppe“ wurde somit kurzerhand die „15:30 Uhr-Gruppe“; ein notwendiges Verbrechen ohne Opfer.

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